Yoga 2.0

Yoga 2.0

Von Birgit Weilguni

Yoga boomt in der westlichen Welt, als hätte man kollektiv den Schlüssel zu ewiger Jugend, Schönheit und Fitness gefunden. Dabei ist Yoga eine sehr alte indische philosophische Lehre, die als einen Eckpfeiler etwa neben Meditation auch Bewegungsformen und Atemübungen umfasst. Heute werden in der westlichen Welt unter Yoga meist lediglich unterschiedlichste körperliche Übungen verstanden.

Längst sind wesentliche Bestandteile wie Atmen, Meditieren, Askese oder bestimmte Verhaltensregeln in den Hintergrund gerückt. Die Vielfalt der Yogaformen, die heute im Angebot sind, ermöglicht es beinahe jedem, die individuell am besten geeignete Form zu finden. Yoga scheint jedenfalls (fast) alles zu können: jünger machen, auspowern, zum Lachen und Tanzen anregen, harmonisieren, therapieren und noch viel mehr. Bestehen blieb meist der Fokus auf Atemübungen, manchmal auch meditative Elemente. Alles andere treibt oft beinahe skurrile Blüten.

Viel mehr als meditative Positionen

Zu den alten, ursprünglichen Yoga-Formen gehört etwa Ashtanga Yoga, der Ursprung fast aller Hatha Yoga-Variationen. Mit harmonischen, kraftvollen Positionen, die durch eine immer gleiche Bewegungskombination verbunden werden, werden beim Ashtanga Yoga durch spezielle Atemtechniken, Energiekontraktionen und Fixpunkte der Augen die Übungen zur Meditation. Ashtanga Yoga ist in vielen Fällen wiederum der Ursprung für neue Formen, die meist einen Schwerpunkt setzen, der individuelle Defizite oder Schwachpunkte ausgleichen bzw. harmonisieren soll. Hatha Yoga erfreut sich im Westen großer Beliebtheit und wird hier oft als Synonym für Yoga angesehen – eigentlich ist es aber nur eine Form davon. Hatha Yoga konzentriert sich auf die Verbesserung des menschlichen Körpers, um auf Geist und Bewusstsein zu wirken und lehrt vor allem Flexibilität und Geduld.

Yoga wird von Fitness-Freaks oft als „kein echter Sport“ bezeichnet. In Wahrheit ist es viel mehr als Sport: Yoga strebt als philosophische Lehre die Harmonie von Körper, Geist und Seele an. Wer Yoga regelmäßig und ernsthaft betreibt, weiß um die körperlichen wie emotionalen Benefits. Längst hat das Image der sanften Beschäftigung für Frauen und langhaarigen Alt-Hippies jegliche Berechtigung verloren. Yoga kann verausgabender Workout, Faszien-Training, aber eben auch spirituelle Harmonisierung und totale Entspannung und noch viel mehr sein. Die Vielzahl an Yoga-Formen, die heute im Angebot ist, macht die individuell optimale Version einfach. Es ist lediglich wichtig, nicht jedem Trend hinterzulaufen, sondern sich auf die eigenen Bedürfnisse und Präferenzen zu konzentrieren.

Neue Yoga-Formen:

Acro Yoga ist eine Mischung aus Akrobatik und Yoga. Die Asanas (Körperstellungen) werden mit einem Partner durchgeführt und sind meist Hebefiguren. Sie sollen das innere und äußere Gleichgewicht stärken. Bestandteil ist jedenfalls therapeutisches oder akrobatisches Fliegen.

Aerial Yoga, Airyoga oder Anti Gravity ist Yoga, das schwerelos in von der Decke hängenden Tüchern praktiziert wird. Viele Asanas finden kopfüber statt, was einige Überwindung erfordert.

Bei Anusara Yoga ist das erklärte Ziel der „Einklang mit dem Göttlichen“, das heißt, hier handelt es sich um eine sehr spirituelle Yogaform.

Beim Aroma Yoga stärken entspannende und kräftigende Übungen die Mitte und geben Kraft für den Alltag – freilich in Verbindung mit dem alten Wissen der Aromatherapie.

Bikram Yoga ist eine Hatha-Yoga-Methode und wurde von dem indischen Yogameister Bikram Choudhury entwickelt. Dabei werden 26 Asanas in einem 35 bis 40 Grad heißen Raum praktiziert.

Dark Yoga dient vor allem der Stresslinderung. Yogaübungen im Dunkeln fördern dieEntspannung und erleichtern die innere Einkehr.

Forrest Yoga wurde von Anna Forrest gegründet und konzentriert sich auf eine Kräftigung der Rücken- und Bauchzone. Die Asanas sind recht intensiv und haben eine therapeutische Wirkung bei Rückenbeschwerden.

Bei Flow Yoga wird eigentlich getanzt. Das Ziel ist die Verbindung von Bewegung und Atem.

Grünes Yoga verbindet die alten Yogapraktiken mit unserer bereits innewohnenden Beziehung zur Umwelt.

Hormon Yoga soll den weiblichen Hormonhaushalt ins Gleichgewicht bringen, indem sich die Übungen auf den Beckenboden konzentrieren – ideal für Frauen, die Menstruationsbeschwerden haben oder unter Wechselbeschwerden leiden.

Doga ist die Abkürzung für Dog Yoga, also Hunde Yoga, und inkludiert Hunde in die Übungen. Vor allem Entspannung und Beruhigung stehen im Mittelpunkt der gemeinsamen Asanas.

Jivamukti Yoga klingt nicht wie „normales” Yoga, denn es findet bei Musik statt. Singen, Meditation und vielfältige Asanas gehören ebenfalls dazu.

Kriya Yoga heißt auch „Yoga der Tat“ und bringt durch spezielle Atemübungen Körper, Geist und Seele in Einklang. Das Blut soll dabei gereinigt und der Körper verjüngt werden.

Kundalini Yoga ist eine dynamische Form des Yoga und eines der schnellsten Wege sich weiter zu entwickeln. Anhand einer Übungsreihe ist es möglich, eine sofortige körperliche, geistige und spirituelle Balance zu erlangen. Kundalini Yoga wirkt auf Körper, Geist und Seele entspannend, ausgleichend und heilend.

Lachyoga wurde Mitte der 1990er-Jahre von einem indischen Arzt gegründet und erfuhr einen wahren Siegeszug. Lachyoga besteht aus Dehn- und Atemübungen verbunden mit fiktiven und pantomimischen Übungen, die zum Lachen anregen und ganz ohne Witze funktionieren, sogar bei denjenigen, die behaupten keinen Humor zu haben

Moveasy Yoga ist das spielerische Experimentieren mit den Möglichkeiten des eigenen Körpers – im Kontakt mit anderen.

Nacktyoga kommt in den USA hervorragend, in Europa nicht besonders gut an. Die textilfreie Variante hat keinerlei schlüpfrige Hintergedanken.

Woyo ist eine ganz junge, deutsche Yoga-Form und arbeitet mit Hilfsmitteln wie Bällen, Gurten oder Blöcken. Die Schwerpunkte liegen auf Muskelkräftigung, Haltungsverbesserung, Mobilisation, Flexibilität und Entspannung.

Wutyoga reinigt von innen mithilfe lauter, aggressiver Musik und gezielten Wutausbrüchen, denn der gelassene und friedliche Ansatz funktioniert nicht für jeden Menschen.

Yoga Afloat, Aqua Yoga oder Wasser-Yoga erklärt sich von selbst – es handelt sich dabei um Asanas im Wasser, die eine besonders heilende Wirkung haben.

Namaste! (wörtlich „Verehrung dir“, Indische Grußformel, die immer am Ende einer Yoga-Klasse steht)

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