Hals und Beinbruch – die Tücken des Wintersports

Hals und Beinbruch - die Tücken des Wintersports

Von Nina Peterz

Schneebedeckte Gipfel, Sonne und steile Pisten werden auch dieses Jahr wieder unzählige Ski– und Snowboardbegeisterte in die Berge locken. Das Vergnügen im Pulverschnee macht großen Spaß, hat aber auch seine Tücken.

Auf geht’s zum Skifahren! Schon bald werden wieder Tausende Schneebegeisterte aus ganz Europa, die heimischen Pisten stürmen. Denn Skifahren und Snowboarden zählen zu den beliebtesten Wintersportarten weltweit! Bereits in den 1950er Jahren wurde Skifahren zur Massenbewegung. Seitdem haben sich eine Reihe neuer Fahrtechniken, wie Carving, Freeriding, Skibergsteigen oder Telemarken entwickelt. Zudem boomen neue Trend-Disziplinen, die eine ordentliche Portion Mut erfordern. Die Rede ist von Freestyle-Skiing, Eisklettern, Snowkiting, Snowbiking, Airboarding oder Snowfering.

Gefahren des Wintersports

37.500 Verletzte beim Skilaufen, 8.600 Verletzte beim Snowboarden, 5.100 Verletzte beim Langlaufen, Rodeln und Bobfahren. Für die Skitouristen bedeutet der Sport im Schnee nicht immer nur Vergnügen. Nach der Freizeit-Unfallstatistik des Kuratoriums für Schutz und Sicherheit kam es 2014 in Österreich zu rund 199.100 Sportunfällen, wobei sich die meisten der Sportunfälle beim Skifahren, Snowboarden, Fußball oder Radfahren ereigneten.

Die häufigste Verletzungsursache bei Ski- und Snowboardern ist der selbst verschuldete Einzelsturz. Mehr als ein Drittel der Skifahrer verletzen sich am Knie (7.800 Unfälle), gefolgt von Schulter, Kopf und Oberkörper. Häufige Knieverletzungen sind Kreuzband- und Seitenbandrisse, die oft schon bei leichten Stürzen entstehen. Typische Unfallarten sind aber auch Verletzungen des Daumengrundgelenks, die zu einer Bänderzerrung oder einem Bänderriss (Skidaumen) führen.

Snowboarder verletzen sich besonders oft am Kopf, an der Schulter oder am Handgelenk. Auch Brüche des Ober- oder Unterarms (4.800 Unfälle) sind recht häufig. Ursache dafür sind meist unkontrollierte Stürze, die mit dem ausgestreckten Handgelenk aufgefangen werden.

Richtige Ausrüstung

  • Ski- und Snowboardhelm nach EN 1077: Mit Helm sinkt das Kopfverletzungsrisiko auf der Piste um 35 Prozent! Experten raten beim Helmkauf auf die europäische Sicherheitsnorm EN 1077 zu achten!
  • Ausrüstungscheck: Bevor man in die Wintersaison startet, sollten Skier, Boards, Stöcke und Schuhe auf eventuelle Risse und Dellen überprüft werden. Die Schuhe sollten so klein wie möglich sein, ansonsten droht Verletzungsgefahr! Für die Stöcke gilt: Im Gelände sind größere Stockteller besser als auf der Piste. Auf Skitouren bieten sich hingegen Teleskopstöcke an, die sich in der Länge verstellen lassen. Wichtig: Die Skibindung sollte man grundsätzlich einmal im Jahr vom Fachhändler überprüfen lassen.
  • Das Zwiebelprinzip: Die optimale Bekleidung für Wintersportler sollte aus drei Schichten bestehen. Als Unterwäsche empfehlen sich Unterhosen und -hemden aus synthetischen Hohlfasern. Darüber gehört eine dicke, wärmende Isolierschicht (Polyester-Materialien), wie beispielsweise ein Fleece-Pullover. Wasserdichte, aber atmungsaktive Mikrofaser-Jacken bilden die Außenschicht.
  • Unabdingbare Accessoires: Mütze, Stirnband, Handschuhe, Sonnencreme (mit Lichtschutzfaktor 15 bis 25) sowie eine Sonnenbrille mit UV-Schutz gehören zur Standardausrüstung. Wichtig: Auch die Handschuhe sollten wind- und wasserdicht sein. Für Snowboarder gibt es eigene Handschuhe, in denen Handgelenksschützer mit einer starren Schiene auf der Seite der Handfläche schon mit eingebaut sind.
  • Lawinenrucksack: Bei extremeren Geländefahrten und Touren abseits der Piste, sollten ein Rückenprotektor und eine Notfallausrüstung mit Lawinensuchgerät (kurz LVS), Lawinensonde und Lawinenschaufel nicht fehlen.

Kostenloses Lawinen-Training

Um eine hohe Sicherheit zu ermöglichen, gelten auf den Skipisten als auch abseits von markierten Pisten, die Verhaltensregeln des Internationalen Skiverbandes FIS. Zudem sind die Skigebiet-Betreiber für die Sicherheit der Gäste (z. B. durch geschultes Servicepersonal auf den Pisten, gepolsterte Stangen, Sicherheitsnetze, Lawinenwarntafel, usw.) verantwortlich. Im Idealfall verfügen Tourismusgebiete über eine medizinische Erstversorgungseinrichtung und einen fix stationierten Rettungshubschrauber.

Bei einigen Anbietern ist es möglich einen kostenlosen SAAC-Lawinenkurs (SAAC ist die Abkürzung für „snow and avalanche awareness camps) zu buchen, um für den Ernstfall entsprechend gewappnet zu sein. In dem sehr praxisorientierten Kurs lernen Teilnehmer, wie man mit dem Lawinensuchgerät (Lawinenpieps) umgeht oder wie man die Lawinengefahr im steilen Gelände richtig einschätzt.

Zwischen Größenwahn und Schneearmut

NViele Tourismusanbieter sind dem Größenwahn verfallen und investieren Millionen in den Ausbau von Pisten und moderner Liftanlagen. Das schlägt sich nicht nur auf den Geldbeutel der Ski-Gäste nieder, sondern hat auch negative Auswirkungen auf die Umwelt.

In Folge der Erderwärmung müssen derzeit knapp 24.000 Hektar in den europäischen Alpen künstlich beschneit werden. Durch den massiven Einsatz von Schneekanonen werden jährlich etwa eine Million Liter Wasser (das entspricht dem Wasserverbrauch einer Großstadt mit 1,5 Millionen Einwohnern!) verbraucht. Forscher warnen vor einem Teufelskreis, bei dem der Wasserverbrauch durch die künstliche Beschneiung ständig steigt, während die Ressourcen schwinden.

Nachhaltiger Wintertourismus

Aufgrund der dramatischen Entwicklungen gibt es mittlerweile immer mehr Skigebiete, die umweltschonende Maßnahmen ergreifen. In den Alpen haben sich solche Gebiete zum Verbund „Alpine Pearls“ zusammengeschlossen. Sie versprechen auf ihrer Webseite einen „nachhaltigen Urlaub im Einklang mit der Umwelt“.

Ein allgemeingültiges Siegel an dem Skifahrer umweltverträgliche Skigebiete erkennen, gibt es nicht. Jeder Wintertourist kann aber zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.
Folgende fünf Dinge sind dafür zu beachten:

  • Umweltfreundlich anreisen
  • In zertifizierten Unterkünften wohnen (auf das Österreichische Umweltzeichen achten)
  • Nicht Off-Piste-Fahren
  • Schneesichere Gebiete bevorzugen (und auf künstlich präparierte Pisten verzichten)
  • Möglichst nachhaltige Skigebiete auswählen (Alpine Pearls)

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